Seit Februar diesen Jahres verwende ich Personal Kanban, sowohl privat als auch beruflich. Im Mai schrieb ich, dass mir keine der Personal-Kanban-Anwendungen so richtig zusagt. Ich habe mich nun entschieden, privat bis auf weiteres das Kanban Tool zu verwenden.
Für den beruflichen Einsatz habe ich mir meine eigene Kanban-Anwendung mit MS Access programmiert. Seit der initialen Version habe ich jedoch Änderungen vorgenommen. Ich bin von der Priorisierung mittels Eisenhower-Matrix wieder abgekommen und habe stattdessen Serviceklassen (Classes of Service) implementiert. Ich habe zur Zeit folgende Serviceklassen definiert:
- intern
- Express
- Projekt
- Standard
Alle internen Aufgaben ohne direkten Nutzen für die internen Kunden, beispielsweise Selbstorganisation oder Kaizen-Aktivitäten, werden auf die Projektklasse intern geschlüsselt. Die Klasse Express ist für Aufgaben vorgesehen, die sofort erledigt werden müssen, die das WIP-Limit brechen dürfen und für die ich alle anderen Aufgaben ruhen lasse. Die Serviceklasse Projekt dient der Kennzeichnung von projektarbeitsbezogenen Aufgaben, die in meinem beruflichen Alltag zur Zeit einen gewissen Raum einnehmen. Alle anderen Aufgaben fallen unter die Klasse Standard, sind also im wesentlichen das “Tagesgeschäft”. Für jede dieser Serviceklassen versuche ich, pro Arbeitswoche eine bestimmte Zeit aufzuwenden:
• intern: 5% = 2h/Woche = vier Pomodoros
• Express: max. 5% aller Vorgänge
• Projekt: 10% = 4h/Woche = acht Pomodoros
• Standard: die Restzeit
Da ich die letzten Monate stark durch ein Projekt gebunden war, habe ich noch kaum Erfahrung sammeln können mit dieser Gewichtung, so dass sie sich durchaus noch ändern kann.
Meine Access-Anwendung zur Aufgabenverwaltung berechnet nun auch die Lead Time (Durchlaufzeit vom Aufgabeneingang bis zur Erledigung) und die Cycle Time (Zeit vom Bearbeitungsstart bis zur Erledigung) und stellt sie graphisch dar. Für beide Kenngrößen wird auch ein gleitender Durchschnitt ermittelt und dargestellt, denn die einzelnen Lead Times und Cycle Times können durchaus stark variieren. Für die Cycle Time lasse ich mir auch einen Erwartungswert ermitteln, der sich aus dem gleitenden Durchschnitt plus einer Standardabweichung zusammen setzt. Inspiriert wurde ich dazu durch diesen sehr lesenswerten Artikel. Dadurch bin ich in der Lage, einem internen Kunden eine grobe Abschätzung zu geben, wie lange er auf die Erledigung seines Anliegens warten muss, ab dem Zeitpunkt, in dem ich die Bearbeitung starte.
Ich habe aus diesem Artikel auch das T-Shirt-Sizing übernommen und habe die in der Ursprungsversion des Programms verwendete Schätzung auf Minutenbasis durch Größenklassen
• bis zu einem Tag
• bis zu drei Tagen
• länger als drei Tage
ersetzt. Auch hier muss ich nach einiger Zeit prüfen, ob die gewählten Werte für die Größenklassen praxistauglich sind.
Bis jetzt bin ich mit meiner Kanban-Anwendung gut gefahren, muss aber noch mehr Praxiserfahrung sammeln. In meinem Kanban-System findet sich nur eine Teilmenge meiner Tätigkeiten wieder, da es für bestimmte “Massenvorgänge”, z. B. Incident-Bearbeitung, IT-Beschaffungswesen, eigene Systeme gibt.



