11. Juni 2011
Die Festplatte in meinem MacBook 5,1 ist defekt. Dies war für mich eine gute Gelegenheit, als Ersatz einen Solid State Drive (SSD) einzubauen. Ich recherchierte im Web und entschied mich für eine Intel X25-M (SSDSA2MH160G2C1) mit 160GB Speicherkapazität, da die Intel-SSDs einen guten Ruf haben.
Einbau und Firmware-Update des SSD
Der Austausch der defekten Festplatte durch den SSD ging sehr einfach von statten. Nach dem Öffnen des Gehäuses über den einzigen Riegel auf der Rückseite hatte ich Zugang zur Festplatte. Ich löste die Schraube des Gummi-Abstandshalters über der Festplatte, nahm diesen heraus, ersetzte die Festplatte durch den SSD, schraubte den Gummi-Abstandshalter wieder auf und setzte die Abdeckung wieder in das Unibody-Gehäuse ein. Es empfiehlt sich, vor der Beginn der Operation eine Wasserleitung zu berühren, um elektrostatische Aufladung aus dem Körper abzuleiten. Noch besser ist natürlich ein Antistatik-Armband.
Nach dem Einbau des SSD habe ich das MacBook dann von einer vorher gebrannten Firmware-Update-CD gebootet, um sicherzustellen, dass die SSD mit der aktuellsten Firmware läuft. Mein Exemplar wies schon die aktuelle Firmware auf.
Installation vom Mac OS X und Konfiguration für den SSD-Betrieb
Nun bootete ich von der Recovery-DVD, partitionierte die SSD und installierte dann OS X 10.5 (Leopard). Bei der Partitionierung habe ich als Dateisystem Mac OS Extended ausgewählt, aber nicht die Journaled-Version, denn das Journaling macht meiner Einschätzung nach im SSD-Betrieb eher weniger Sinn, kostet aber dafür (langfristig zerstörende) Schreibzugriffe.
Nach der Installation habe ich alle verfügbaren Updates herunter geladen und installiert. Nach dem anschliessenden Reboot habe ich dann das Upgrade auf OS X 10.6 (Snow Leopard) mit meiner Upgrade-DVD durchgeführt. Die scheinbar unsinnige vorherige Installation der Updates von OS X 10.5 nahm ich vor, um einen “sicheren” Übergang zur Version 10.6 zu gewährleisten. Möglicherweise wäre das nicht erforderlich gewesen.
Nach dem Booten mit OS X 10.6 aktivierte ich den TRIM-Support über das Tool Trim Enabler. Der TRIM-Support ist in OS X 10.6.7 zwar eingebaut, lässt sich aber nicht “regulär” aktivieren. In OS X 10.7 (Lion) soll er wohl “offiziell” enthalten sein. Um verbrauchende Schreibzugriffe auf die SSD zu verringern, lasse ich den SSD mit der Option noatime (no accesstime) mounten. Dies verhindert, dass das Betriebssystem jeden Dateizugriff protokolliert (=auf den SSD schreibt). Weiterhin protokolliert werden natürlich die letzten Schreibzugriffe (mtime, modification time). Um noatime zu deaktivieren, muss man als root eine entsprechende plist-Datei im Verzeichnis /Library/LaunchDaemons anlegen, z. B. von der Kommandozeile aus mit dem Befehl
nano -w /Library/LaunchDaemons/com.apple.noalist.plist
Die Datei muss dann folgenden Inhalt haben:
<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<!DOCTYPE plist PUBLIC "-//Apple//DTD PLIST 1.0//EN" " http://www.apple.com/DTDs/PropertyList-1.0.dtd">
<plist version="1.0">
<dict>
<key>Label</key>
<string>com.my.noatime</string>
<key>ProgramArguments</key>
<array>
<string>mount</string>
<string>-vuwo</string>
<string>noatime</string>
<string>/</string>
</array>
<key>RunAtLoad</key>
<true/>
</dict>
</plist>
Den Schlafmodus für das MacBook habe ich so eingestellt, dass keine Speicherabbilder mehr auf die “Festplatte” geschrieben werden, dies lässt sich mit dem Befehl
sudo pmset -a hibernatemode 0
erledigen. Ein eventuell vorhandenes altes Sleepimage lässt sich mit dem Befehl
sudo rm /var/vm/sleepimage
löschen. Zu guter Letzt habe ich noch den Sudden Motion Sensor deaktiviert, denn mangels einer mechanischen Festplatte hat er keinen Nutzen mehr. Dies geht über den Befehl
sudo pmset -a sms 0
Parallel sollte noch der Ruhezustand für Festplatten in den Systemeinstellungen deaktiviert werden.
Nach dem anschliessenden Reboot war das MacBook nun fertig installiert. Was fehlte, war die Rücksicherung meiner Daten.
Rücksicherung der Benutzerdaten
Dank Time Machine hatte ich eine sehr aktuelle Datensicherung, auf die ich zurückgreifen konnte. Ich meldete mich mit meiner Kennung an, die ich genauso genannt hatte wie bisher. Über das Dienstprogramm Migrationsassistent wollte ich meine Daten und Programme wiederherstellen. Leider stellte sich heraus, dass dies nicht geht, wenn man unter der zurückzusichernden Kennung angemeldet ist. Also legte ich mir eine temporäre Benutzerkennung an, meldete mich mit dieser an und startete die Wiederherstellung über den Migrationsassistenten, die auch ohne Probleme durchlief. Nach Abschluss der Wiederherstellung meldete ich mich wieder mit meiner “echten” Kennung an. Daten und Programme waren in der Tat wieder hergestellt. Bei einigen Einstellungen musste ich jedoch noch mal selbst Hand anlegen:
- meine Icon-Konfiguration für das Dock wurde nicht mit übernommen und musste neu vorgenommen werden
- die Synchronisationseinstellungen für das Adressbuch und iCal mit meinem Google Mail Accont musste ich neu setzen. Beim Synchronisieren der Adressdaten sind zwischenzeitlich die meisten Kontakte in GMail gelöscht worden, was ich jedoch wiederherstellen konnte. Der nächste Synchronisierungs-Vorgang funktionierte dann korrekt.
- bei der Synchronisierung meines iPods mit iTunes meldete iTunes, es sei nicht auf meinen Apple-Account registriert. Dies nahm ich dann mit einem Mausklick vor.
- die Anmeldeobjekte musste ich in den Systemeinstellungen alle neu konfigurieren
- für alle Anwendungen und das WLAN musste ich die Passworte neu eingeben, offenbar war der Schlüsselbund nicht mitgesichert worden. Das ist eine böse Falle, falls man seine Passworte nicht noch anderweitig dokumentiert hat. Ich verwende dafür eine einfache Textdatei.
Probleme bereitete mir auch die Weiterverwendung meiner Backup-Platte in Time Machine. Der bisher belegte Speicherplatz wurde nicht als für die Datensicherung verfügbar anerkannt, es verblieb also nur noch der “unverbrauchte” Rest auf der Backup-Platte. Möglicherweise häng das damit zusammen, dass ich den SSD anders genannt habe als die vorher im MacBook verbaute Platte. Letztlich habe ich jedenfalls die Backup-Platte neu partioniert und eine initiale Vollsicherung per Time Machine durchgeführt.
Fazit
Die Inbetriebnahme der SSD ist reibungsloser gelaufen, als ich zunächst befürchtet hatte, die Rücksicherung meiner Benutzerdaten war hingegen etwas mehr Arbeit als gedacht, aber auch nicht wirklich aufwändig. Wichtig ist, sich seine Passwörter in geeigneter Form zu dokumentieren.
Mein MacBook bootet nun in ca. 24 Sekunden vom Einschalten bis zur Anmeldemaske und die Anwendungen öffnen sich nun wesentlich schneller als vorher. Das Schlachtschiff LibreOffice 3.4.0 benötigt bei ungeladenem Java knappe sechs Sekunden, iPhoto benötigt 3,1 Sekunden bis zur Betriebsbereitschaft vs. 9,6 Sekunden auf meinem iMac 9,1 mit gleicher Fotosammlung und Festplatte.
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